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Buhlen um EVA & Co.

Foto: © Industrieverband Klebstoffe e. V.
Solar Panel, Foto: © Henkel
Foto: © Industrieverband Klebstoffe e. V.

Rohstoffe werden immer teurer, weil sie immer knapper werden. Die deutsche Klebstoffindustrie ist davon besonders betroffen. Die Antwort auf die Gretchenfrage bleibt den meisten allerdings verborgen. Wer klaut dem Bäcker hier eigentlich Mehl und Milch? Und vor allem wofür?

Die Reihe an Abnehmern für die gefragten Rohstoffe ist lang. Andere Industriezweige, wie beispielsweise die Photovoltaik-Branche, aber auch andere Länder, wie China, greifen verstärkt auf die für die Klebstoffhersteller so wichtigen Rohstoffe zu.

Warum?

Und warum scheinbar erst jetzt?

Buhlen um EVA & Co.

Das beste Beispiel heißt EVA. EVA steht für Ethylenvinylacetat. Ein Kunststoff, dessen Eigenschaften je nach Vinylacetat (VA)-Anteil variieren bzw. sich mit höherem Anteil insbesondere in Bezug auf die Bruchdehnung verbessern.

Die Kapazität des europäischen Marktes beläuft sich auf rund 600.000 t. Rund 400.000 t davon haben einen VA-Anteil von 7 bis 18 % und werden für Spezialanwendungen wie z. B. Ausgießer und Dachbahnen eingesetzt. Bleiben 200.000 t mit einem VA-Anteil von bis zu 28 %, wie es auch die Klebstoffindustrie (Bedarf ca. 130.000 t) benötigt. Speziell um diesen Anteil ist weltweit ein verschärfter Wettbewerb entstanden.

„Ein ungleicher Wettbewerb“, findet IVK Hauptgeschäftsführer Ansgar van Halteren mit Blick auf die subventionierte Photovoltaik-Branche, die von steuerlichen Einsparungen profitiert und damit bessere Margen erzielt. „Die Nachfrage nach erneuerbaren Energien wächst seit einigen Jahren stetig. Das exponentielle Wachstum der Solarenergie treibt die Nachfrage nach Rohstoffen wie EVA in die Höhe. EVA ist für die Klebstoffindustrie schlicht ausverkauft.“ Während die Klebstoffindustrie EVA vorwiegend für Schmelzklebstoffe verwendet, werden in der Photovoltaik-Branche die Solarzellen in EVA-Folien eingebettet.

Doch nicht nur neue Branchen, auch andere Länder entwickeln sich zu immer stärkeren Abnehmern auf dem Weltmarkt.

Beispiel China: Das wirtschaftliche Wachstum bringt höhere Ansprüche der Bevölkerung an ihre Lebensqualität mit sich. Eine zuvor nicht da gewesene Mittelschicht wird zu einer neuen Käufergruppe. Im Umkehrschluss gehen so z. B. mehr Schuhe über die Ladentheke. In China wird EVA u. a. in der Produktion von Schuhsohlen eingesetzt.

Zusätzlich verbraucht China fast 40 % der Jahresproduktion an Naturkautschuk, dessen Preise durch Missernten ohnehin ansteigen. Insbesondere Autoreifen werden mit Naturkautschuk produziert. Die Klebstoffindustrie verwendet den nachwachsenden Rohstoff u. a. für die Herstellung von Etiketten-Klebstoffen.

Gleich gute oder bessere Endprodukte dank alternativer Rohstoffe

So wie EVA und Naturkautschuk ließen sich zahlreiche weitere Beispiele für wichtige Basisrohstoffe nennen, die immer knapper und somit teurer werden. Betroffen von dieser Entwicklung sind ausnahmslos alle Klebstoffe und Klebebänder, die in der Industrie und im Handwerk eingesetzt werden.

Beachtlich ist jedoch, wie die deutsche Klebstoffindustrie dieser Herausforderung begegnet. Umformulierungen der Rezepturen und die Beschaffung alternativer Rohstoffe unterstreichen einmal mehr die Innovationskraft dieser Branche.

Beispielsweise werden zur Herstellung thermoplastischer Schmelzklebstoffe für die Möbel- oder Verpackungsindustrie sowie für die Produktion von Haftschmelzklebstoffen für Etiketten und Klebebänder verstärkt Poly-α-olefine anstelle des knappen EVA eingesetzt.

Mit der Erschließung dieser neuen Rohstoffkategorie bieten Hersteller den Kunden nicht nur Versorgungssicherheit, sondern können auch eine größere Bandbreite an Produktlösungen – zum Teil sogar mit technisch vergleichbaren oder verbesserten Eigenschaftsprofilen – entwickeln.

„Solche Neuentwicklungen und Produktoptimierungen sind zwar zeit- und kostenaufwändig, stellen aber langfristig eine ausreichende Verfügbarkeit von Klebstoffen sicher und garantieren – sowohl der Klebstoffindustrie als auch deren Kunden – die notwendige Planungssicherheit“, so van Halteren.

 

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Kontakt:

Presseteam Industrieverband Klebstoffe e. V.,

c/o Dülberg & Brendel GmbH,

Am Wehrhahn 18, 40211 Düsseldorf,

Telefon 0211.640080, Telefax 0211.6400823,

E-Mail hallo@duelberg.com

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