60 Jahre Industrieverband Klebstoffe (IVK)
Der Industrieverband Klebstoffe e. V. (IVK) feierte 2006 sein 60-jähriges Bestehen. 1946 gründeten in Düsseldorf 29 Unternehmen den „Fachverband Leime und Klebstoffe“ - heute Industrieverband Klebstoffe. Dem Wirtschaftsverband gehören aktuell 134 Klebstoff-, Klebeband- und Klebrohstoff herstellende Unternehmen aus Deutschland und Österreich an, deren wirtschaftliche und technische Interessen der IVK vertritt.
Kleben fürs Leben - gut 6000 Jahre nach dem die Sumerer, Babylonier und Ägypter die Herstellung von Klebstoff entdeckten, hat sich der weiland aus Tierhäuten gekochte Leim zum wohl wichtigsten Werkstoff unserer Zeit entwickelt. Klebstoff hält buchstäblich die halbe Welt zusammen - vom ICE-Hochgeschwindkeitszug bis zur Zahnkrone. Nur mit Klebstoffen finden beispielsweise Rückennummern auf Fußball-Trikots oder Tapeten an der Wand Halt, schützen Pflaster aufgeschrammte Knie oder informieren Etiketten über Lebensmittel und deren Inhalte. Klebstoffe helfen dem Airbus A 380 in die Luft und ersetzen immer häufiger Nadel und Faden in der Medizin. Erst Klebstoffe haben Bücher – einst Luxusgut der Reichen – zum Gebrauchsgegenstand gemacht, jeden Tag, in allen Sprachen und Ländern der Erde, als hochwertiger Fest-Einband oder als Taschenbuch-Roman zur „Einschlafhilfe“.
Wirtschaftsfaktor Klebstoffe
Kein Wunder also, dass die innovationsfreudige deutsche Klebstoffindustrie auch eine wesentliche volkswirtschaftliche Bedeutung hat. Pro Jahr werden von über 10500 Beschäftigten 700000 Jahrestonnen Kleb- und Dichtstoffe sowie 725 Mio. Quadratmeter Klebebänder hergestellt. Über 30000 verschiedene Klebstoffe sind in Deutschland auf dem Markt. Der Gesamtumsatz der Branche - dazu zählen Klebstoffe, Dichtstoffe, Klebebänder und zementäre Bauklebstoffe - wird sich 2006, so schätzt der IVK-Vorsitzende Arnd Picker, auf ca. 2,7 Milliarden Euro belaufen. Durch den Einsatz von Kleb- und Dichtstoffen in fast allen Industriezweigen wird ein Wertschöpfungspotential von deutlich über 300 Milliarden Euro generiert.
Das zurzeit schwache Inlandsgeschäft kompensiert die Branche durch lukrative Nischenmärkte - beispielsweise die Elektroindustrie -, einer konjunkturellen Verbesserung im Marktsegment Holz- und Möbelklebstoffe sowie durch ein wachsendes Exportgeschäft, das zuletzt fast 740 Millionen Euro einbrachte. Oder anders ausgedrückt: Zwischen 2003 und 2004 steigerte sich das Exportgeschäft um 14 Prozent.
Die wirtschaftlich und technologisch führende Rolle der deutschen Klebstoffindustrie spiegelt sich auch in einer Marktstudie über den gesamteuropäischen Klebstoffverbrauch wider, die von acht weltweit führenden Klebstoffunternehmen in Auftrag gegebenen wurde. Dieser Marktstudie zufolge werden in Deutschland fast 25 Prozent aller in Westeuropa hergestellten Klebstoffe verbraucht, danach folgen Italien und Großbritannien mit je 17 Prozent. Den gesamteuropäischen Klebstoffumsatz (ohne Dichtstoffe, Klebebänder und zementäre Produkte) beziffert die Marktstudie mit fast 9 Milliarden Euro.
In Hinblick auf Arbeit- und Umweltschutz gelang es u. a., den Lösungsmittelverbrauch in den vergangenen 15 Jahren um über 70 Prozent zu reduzieren.
Personal qualifizieren
116 Klebstoffhersteller zählt die Branche in Deutschland, die durchaus auch vom Mittelstand geprägt ist. Neben 10500 Beschäftigten bildet die deutsche Klebstoffindustrie derzeit 996 junge Frauen und Männer aus.
„Personalqualifizierung ist einer der wichtigsten Schlüssel für eine qualifizierte Markterweiterung der Klebstofftechnologie“, so umreißt IVK-Hauptgeschäftsführer Ansgar van Halteren eine zentrale Aufgabe für die Zukunft.
Der Industrieverband Klebstoffe hat daher das Programm QME – Qualifizierte Markterweiterung – ins Leben gerufen, bei dem neben den Aspekten wie beispielsweise Expertenforen oder Seminaren die klebtechnische Ausbildung eine zentrale Rolle spielt. Im Rahmen dieses QME-Programms wurde das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) an den Industrieverband Klebstoffe assoziiert. Damit ist es der Klebstoffindustrie gelungen, die besten Kompetenzen in Fragen der Aus- und Weiterbildung für sich zu gewinnen.
Die am IFAM angebotenen Weiterbildungskurse sind nicht nur interessant für Klebstoffanwender, sondern ebenfalls für Mitarbeiter der Klebstoffindustrie. Die Europäisierung und Internationalisierung der Ausbildungskurse ist der nächste Schritt, der in Form eines gemeinsamen Forschungsprojektes eingeleitet wurde.
Im Klebtechnischen Zentrum als akkreditierter Bildungsstätte werden betriebliche Mitarbeiter/-innen zu Klebpraktiker/-innen, Klebfachkräften bzw. Klebfachingenieuren/-innen ausgebildet. Die Qualifizierungsmaßnahmen basieren auf europaweit harmonisierten Richtlinien und sind europaweit anerkannt.
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