Lukrative Nischen der Klebstoffbranche:
„Viele Klebstoffhersteller sind Nischenanbieter“, sagt Ansgar van Halteren, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands Klebstoffe. „Die Unternehmen beliefern Nischenmärkte mit Produkten, die exakt auf die Bedürfnisse ihrer Kunden abgestimmt sind“, erläutert van Halteren diese – seit Jahrzehnten – erfolgreiche Marktausrichtung, die der Grund für die hohe Zahl klein- und mittelständisch strukturierter Klebstoffanbieter in Deutschland ist. Über 120 Klebstoffhersteller – davon 90 % klein- und mittelständisch – produzieren und vertreiben eine breite Palette unterschiedlicher Kleb- und Dichtprodukte.
Im Produktspektrum finden sich sogenannte trägergebundene Klebstoffe, d.h. Klebebänder, Klebefolien und Etiketten, zementäre Bauklebstoffe für Boden, Wand und Decke, Dichtstoffe, etwa für die Herstellung von Isolierglasscheiben oder für den Sanitärbereich, und schließlich Klebstoffe, die ihren Einsatz in einem Spektrum zwischen A bis Z – vom Auto bis zum Zahnersatz – finden. Neben bekannteren Klebstoffanwendungen erschließt sich die Branche zukunftsweisende Märkte, die oft als Nischengeschäfte beginnen.
Täglicher Nutzen von Klebstoffen beginnt bereits am Morgen
Wer sich morgens aus einer Karton-Getränkeverpackung Milch in den Kaffee gießt, kleckert inzwischen garantiert nicht mehr die Tischdecke voll. Das ist auch das Verdienst der Klebstoffindustrie, denn mit innovativen Produkten kleben Getränkekartonhersteller seit einiger Zeit Plastikausgießer in ihre Getränkeschachteln ein. Die verwendeten Klebstoffe werden maßgeschneidert auf die extrem hohen Maschinenlaufgeschwindigkeiten der Verpackungsanlagen, und darüber hinaus sind sie selbstverständlich lebensmittelrechtlich unbedenklich. So sorgt die Klebstoffindustrie weltweit für saubere Tischdecken. Rund 13 Milliarden dieser Ausgießer hat allein der Marktführer Tetra Pak im vergangenen Jahr weltweit mit Klebstoffen in seine Getränkeverpackungen eingeklebt. Bei der Einführung der Ausgießer haben Klebstoffhersteller die Chancen erkannt und die Produktnische besetzt.
Klebstoffe als leichte Verbundwerkstoffe am Beispiel Flugzeugbau
Die Entwicklung leichter und treibstoffsparender Bauteile ist eine der größten Herausforderungen für die Flugzeugindustrie. Die Luftfahrt gilt daher als die Branche, in welcher der Leichtbau in der Serienfertigung konsequent angewendet und weiter optimiert wird. Denn jedes Kilogramm Gewichtseinsparung reduziert die Betriebskosten eines Flugzeuglebens um ca. 520,00 €. Darüber hinaus generieren sich aus der Gewichtsreduktion weitere Effekte, wie z.B. verminderte Umweltbelastung durch weniger Treibstoffverbrauch oder geringere Schallemissionen durch kleinere Antriebsaggregate. Dies macht die Luftfahrtindustrie zu einem Vorreiter in punkto Klebtechnik, denn einzig und allein mit dieser Fügetechnik lassen sich die extremen Anforderungsprofile in der Luftfahrt erfüllen.
Mit dem Airbus 380, der als technische Herausforderung gilt, wurden den Ingenieuren ungleich anspruchsvollere Zielvorgaben gemacht: Es gilt eine Gewichtseinsparung von 30 % bei gleichzeitiger Kostenreduktion um 40 % zu realisieren. Konkret bedeutet dies eine Gewichtsreduzierung von ca. 170 Tonnen und einer damit verbundenen Kostenreduktion von ca. 85 – 90 Mio. € pro Flugzeugleben.
Dieses ambitionierte Ziel lässt sich nur durch den Einsatz einer neuen Generation von Werkstoffen als „Multi-Material-Design“ realisieren. Gemeinsam mit der Klebstoffindustrie entwickelt Airbus neue Systemlösungen, wie z.B. die innovative Harztechnologie zur Herstellung der neuen Verbundwerkstoffe. Darüber hinaus wurden Klebstoffe eigens für die automatisierte Verarbeitung bei der Herstellung des A 380 optimiert. Dies senkt die Fertigungskosten signifikant.
Als Partner und Systemlieferant von Airbus eröffnet sich für die Klebstoffindustrie damit ein neuer Markt mit exzellenten Wachstumsperspektiven und Impulsen für viele weitere interessante Nischen, in denen der Leichtbau eine Rolle spielt, hierzu zählen z.B. der Automobilbau, die Schifffahrt, der Schienenfahrzeugbau, der Containerbau oder auch Sportausrüstungen (Fahrräder, Tennisschläger, Golfschläger, Ski, Sportschuhe, etc.).
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