Erste Hilfe
Haushaltsklebstoffe
Foto: IVK
Sekundenkleber härten sehr schnell aus, wenn sie mit Feuchtigkeit in Verbindung kommen – also auch mit Hautschweiß, Tränen oder Speichel. Deshalb kann es – bei unsachgemäßer Anwendung – in Sekundenschnelle zu Verklebungen des menschlichen Gewebes, d. h. der Haut oder des Auges kommen. Ein neues Informationsblatt des Industrieverband Klebstoffe (IVK) gibt wichtige Hinweise für die Erste Hilfe und praktische Tipps zur Behandlung bei Unfällen mit Sekundenklebstoffen.
Sie heißen Sekundenkleber, Schnellkleber, Super Kleber, Super Glue, Power Glue, NASA-Kleber etc. und sind in (fast) jedem Haushalt zu finden: beispielsweise im Küchenschrank, in der Werkzeugkiste oder im Hobbyraum. Einerseits kleben diese Cyanacrylat-Klebstoffe extrem schnell, andererseits lassen sie sich aber bei Unfällen mit einfachen Hilfsmitteln und Geduld wieder von Haut, Augen oder Mund lösen.
Grundsätzlich gilt:
1. Cyanacrylat-Klebstoffe gehören nicht in Kinderhände!
2. Bei Unfällen mit Cyanacrylat-Klebstoffen nicht in Panik geraten und nicht gewaltsam versuchen, die betroffenen Gewebepartien auseinander zu reißen!
Sekundenkleber lassen sich mit Pflanzenöl wie Sonnenblumen-, Maiskeim- oder Rapsöl entfernen. Das Pflanzenöl großflächig auf und um die verklebte Stelle auftragen und so lange einwirken lassen, bis sich der Klebstoff vom Rand her ablösen lässt. Dann beginnend von der Haut ablösen und diesen Vorgang eventuell mehrmals wiederholen. Anschließend die Stelle mit Wasser und Seife reinigen.
Tipp: Lösemittel wie Aceton wirken auf der Haut nicht effektiv und sollten am Körper nie verwendet werden.
Falls kein Pflanzenöl zur Hand ist, die verklebte Hautstelle ausreichend lange in warmem Seifenwasser einweichen. Zwischen die zusammengeklebten Hautflächen vorsichtig eine Pinzette schieben und unter leichten Bewegungen die Hautflächen voneinander lösen.
Kopf/Haare waschen und anschließend auf die betroffenen Stellen reichlich Hautschutzöl auftragen. Über Nacht einwirken lassen und ggf. die Prozedur mehrmals wiederholen. So löst sich der Klebstoff mit der Zeit von der Kopfhaut.
Niemals versuchen, das Auge mit Gewalt zu öffnen!
Das Auge sofort gründlich mit warmen Wasser spülen und mit einer feuchten Kompresse abdecken. Anschließend sofort einen Arzt aufsuchen. Unter ärztlicher Kontrolle kann der Ablöseprozess mit medizinischen Spüllösungen deutlich verkürzt werden.
Tipp: Wimpernverklebungen können durch augen- und schleimhautverträgliche Öle schneller gelöst werden.
Auch hier gilt zu beachten: zusammengeklebte Lippen niemals gewaltsam öffnen!
Vielmehr sollten die Lippen von außen mit viel warmem Wasser gespült werden. Gleichzeitig von der Mund-Innenseite her mit Speichel dagegen drücken. Mit Lippen- und Mundbewegungen kann die Verklebung in der Regel gelöst werden. Klebstoffreste anschließend mit Wasser und einer fetthaltigen Hautschutzsalbe bzw. -öl entfernen
Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Cyanacrylat-Klebstoffe verschluckt werden können, denn der Klebstoff verfestigt sich sofort und bleibt im Mund haften. Der Speichel löst ihn binnen maximal 2 Tagen von der Mundschleimhaut. Bei größeren versehentlich eingenommenen Mengen sollte sich der Betroffene allerdings so hinlegen, dass beim Ablösen kein Klebstoff verschluckt wird und sicherstellen, dass die Atemwege frei gehalten werden.
Fazit
Bei Unfällen mit Cyanarcylat-Klebstoffen nicht in Panik geraten und nie versuchen, die betroffenen Gewebepartien gewaltsam auseinander zu reißen.
Unfälle mit Sekundenklebern lassen sich in der Regel mit einfachen Mitteln wirkungsvoll behandeln, und sie bedürfen nicht zwangsläufig eines chirurgischen Eingriffs. Allerdings: Sekundenkleber gehören nicht in Kinderhände!
Das Informationsblatt „Erste Hilfe bei Verklebungen mit Sekundenklebstoffen“, Stand Juni 2008, kann von der Internetseite des Industrieverband Klebstoffe - www.klebstoffe.com – kostenlos heruntergeladen oder in der Geschäftstelle des Verbandes bestellt werden.
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