Ausbildungskooperation Industrie & Wissenschaft
Dass Klebstoffe nicht nur im „Falle eines Falles halten“, sondern verlässliche Werkstoffe sind, ohne die heute kein modernes Auto sicher fahren und kein Mobiltelefon funktionieren würden, lernen derzeit 59 Schülerinnen und Schüler des Adam-Josef-Cüppers Berufskolleg (AJC-BK) in Ratingen. In einem bundesweit einzigartigen Pilotprojekt werden die Jugendlichen in Theorie und Praxis mit der Technologie des Klebens vertraut gemacht.
Ein dreitätiger Workshop, der derzeit am AJC-BK stattfindet, ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Ratinger Berufskolleg, der Klebstoffindustrie und dem Fraunhofer Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung. Für den Leiter des AJC-BK, Lothar van den Kerkhoff, ist es mehr als wichtig, sich der von der Politik - aber auch seitens der Industrie - gestellten Forderung nach einer höheren Qualifizierung von Schülern und Auszubildenden zur Verbesserung der Berufschancen zu stellen und aktiv umzusetzen. „Die Klebtechnik gehört unbestritten zu den Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts und es gehört zu den Aufgaben einer modernen, perspektivisch denkenden Bildungseinrichtung wie dem ACJ-BK, dies im Unterrichtsangebot auch zu berücksichtigen“, so der Schulleiter.
Die Kooperationspartner
Die Klebstoffindustrie wird vertreten durch den Industrieverband Klebstoffe (IVK), Düsseldorf, einem Wirtschaftsverband dem aktuell 134 Klebstoff-, Klebeband- und Klebrohstoff herstellende Unternehmen aus Deutschland und Österreich angehören und einen Branchenumsatz von jährlich mehr als 2,8 Mrd. Euro generieren.
Das Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung (IFAM) mit Sitz in Bremen gilt als das weltweit führende wissenschaftliche Institut in punkto angewandte Klebtechnik. Wissenschaftler des Institutes beraten und unterstützen u.a. Unternehmen der Luftfahrt-, Schiffbau-, Automobil- und Elektronikindustrie bei der Konzeption und Umsetzung klebtechnischer Prozesse in der Fertigung. Das Klebtechnische Zentrum am IFAM ist eine akkreditierte Bildungseinrichtung zur Qualifizierung von Klebpraktikern, Klebfachkräften und Klebfachingenieuren mit europaweiter Anerkennung.
Ausbildung und Qualifizierung als zentrale Aufgabe
Der Industrieverband Klebstoffe hat das Programm QME – Qualifizierte Markterweiterung – ins Leben gerufen, bei dem neben den Aspekten wie beispielsweise Expertenforen oder Seminaren die klebtechnische Ausbildung im Klebtechnischen Zentrum, in Betrieben, aber auch in Schulen eine zentrale Rolle spielt. Dabei ist es der Klebstoffindustrie gelungen, mit dem IFAM die beste Kompetenz in Fragen der Aus- und Weiterbildung für sich zu gewinnen.
„Ausbildung und Qualifizierung sind die wichtigsten Elemente für eine nachhaltige Positionierung der Klebtechnik als Schlüsseltechnologie und gleichzeitig die Basis für eine qualifizierte Markterweiterung“, so umreißt Ansgar van Halteren, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des IVK, eine zentrale Aufgabe für die Zukunft.
Die Ausbildungskooperation mit dem AJC-BK ist für die Industrie ein wichtiger Meilenstein, jungen Menschen – also Kunden oder Mitarbeitern von morgen – mit dem notwendigen Wissen über eine moderne und hoch innovative Technologie auszustatten.
Wirtschaftsfaktor Klebstoffe
Die innovationsfreudige Klebstoffindustrie hat auch eine wesentliche volkswirtschaftliche Bedeutung. Pro Jahr werden von über 11.000 Beschäftigten mehr als 700.000 Jahrestonnen Kleb- und Dichtstoffe sowie 731 Mio. Quadratmeter Klebebänder hergestellt. Über 30.000 verschiedene Klebstoffe sind in Deutschland auf dem Markt. Der Gesamtumsatz der Branche, dazu zählen Klebstoffe, Dichtstoffe, Klebebänder und zementäre Bauklebstoffe, beliefen sich 2006 so auf ca. 2,8 Milliarden Euro. Durch den Einsatz von Kleb- und Dichtstoffen in fast allen Industriezweigen wird ein Wertschöpfungspotential von deutlich über 300 Milliarden Euro generiert.
Zusätzlich zu einem sich langsam wieder positiv entwickelnden Inlandsgeschäft profitiert die Branche von lukrativen Nischenmärkten, beispielsweise die Elektroindustrie, einer konjunkturellen Verbesserung im Marktsegment Holz- und Möbelklebstoffe sowie durch ein wachsendes Exportgeschäft, das zuletzt fast 790 Millionen Euro einbrachte. Oder anders ausgedrückt: Zwischen 2004 und 2005 steigerte sich das Exportgeschäft um 8 Prozent (Vorjahr + 14 %).
Die wirtschaftlich und technologisch führende Rolle der deutschen Klebstoffindustrie spiegelt sich auch in einer Marktstudie über den gesamteuropäischen Klebstoffverbrauch wider. Der Marktstudie zufolge werden in Deutschland fast 25 Prozent aller in Westeuropa hergestellten Klebstoffe verbraucht. Den gesamteuropäischen Klebstoffumsatz (ohne Dichtstoffe, Klebebänder und zementäre Produkte) beziffert die Marktstudie mit fast 9 Milliarden Euro.
In Hinblick auf Arbeit- und Umweltschutz gelang es u.a., den Lösungsmittelverbrauch in den vergangenen 15 Jahren um über 70 Prozent zu reduzieren.
Wissenswertes zum Schluss
Kleben fürs Leben: Gut 6000 Jahre nach dem die Sumerer, Babylonier und Ägypter die Herstellung von Klebstoff entdeckten, hat sich der weiland aus Tierhäuten gekochte Leim zum wohl wichtigsten Werkstoff unserer Zeit entwickelt. Klebstoff hält buchstäblich die halbe Welt zusammen - vom ICE-Hochgeschwindigkeitszug bis zur Zahnkrone. Nur mit Klebstoffen finden beispielsweise Rückennummern auf Fußball-Trikots oder Tapeten an der Wand Halt, schützen Pflaster aufgeschrammte Knie oder informieren Etiketten über Lebensmittel und deren Inhalte. Klebstoffe helfen dem Airbus A 380 in die Luft und ersetzen immer häufiger Nadel und Faden in der Medizin. Erst Klebstoffe haben Bücher – einst Luxusgut der Reichen – zum Gebrauchsgegenstand gemacht, jeden Tag, in allen Sprachen und Ländern der Erde, als hochwertiger Fest-Einband oder als Taschenbuch-Roman zur „Einschlafhilfe“.
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